Der Kampf um Braunesumpf, ein Immaterielles Kulturerbe und ein verschollener Schatz im Harz
Wir befinden uns kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Der Krieg ist nach Deutschland gekommen. Untertägige Räumlichkeiten wurden Fieberhaft gesucht, um die Produktion Kriegswichtiger Güter aufrecht erhalten zu können. Hier kommt der Walter- Hartmann Stollen der Grube Braunesumpf ins Spiel. Die heutigen Klosterwerke wurden als Rüstungskammern überwiegend von Häftlingen aufgefahren (nähere Ausführungen sind den Titeln der Hüttenröder Edition des Bergvereins vorbehalten).
Nunmehr 75 Jahre später, soll dieser Gedenkort für das Leiden vieler Häftlinge, den schnöden Mammon geopfert werden. Unter der Darstellung des Sachsen- Anhaltinischen Bergamtes, dass die verbleibenden Klosterwerke nicht mehr standsicher sein, soll dieser Ort verfüllt und für alle Zeit dem Gedenken verwehrt bleiben. Gerhard Rösicke und der Bergverein nahmen sich der Sache an und brachten eine Welle der Empörung ins Rollen. Die Politik schloss sich an, allein der Machtfaktor Geld besiegelte das Aus für eine historisch wertvolle, einmalige Lokalität. Das Gedenken an Leid und Elend passt eben nur an bestimmten Stellen… 20200117_Rösicke Verfüllung Klosterwerke
Nichts desto weniger ist der Bergverein bestrebt seine Mitglieder in bergmännischen belangen fortzubilden. Ein Seminar über Grubengase, doziert vom ehemaligen Bergamtsmitarbeiter Georg Brockt, sensibilisierte alle teilnehmenden Mitglieder über die Gefahren der oft Geruch- und Farblosen Gase. Denn auch das Bergwerk Braunesumpf ist, geologisch bedingt, in einigen Bereiche Gasgefährdet. Besonders das CO2 stellt im Mühlenweg eine ernstzunehmende Gefährdung dar. Gut, dass der Bergverein um diesen Umstand weiß und mit entsprechender Messtechnik Gefährdungen abzuwenden weiß.
Im Harz gehören die Köhler und Bergleute traditionell zusammen. Grund genug diese Symbiose mit einer besonderen Freundschaft zu besiegeln. Und so kam es, dass wir Bergleute zu den Köhlern als Gäste eingeladen wurden und als Freunde, mit Urkunde, das Fest verließen. Es wächst zusammen, was zusammen gehört!

Mit gemeinsamen Engagement mit dem Neuwerker Grasedanz- tatkräftig vertreten durch Frau Pust, wurde es im zweiten Ablauf geschafft: der Grasedanz wurde in den Stand des Immateriellen Kulturerbes Deutschlands erhoben. Dies kam einem Ritterschlag gleich und erfüllte alle Akteure mit Stolz, dass dieses Fest endlich auch die überregionale Aufmerksamkeit bekommt, das es verdient. Nicht zuletzt, weil der Bergbau bei der Entstehung des Festes einen nennenswerten Anteil hat. Immaterielles Kulturerbe Grasedanz im Harz- es ist geschafft
Frisch geschult konnten wir im März 100 Jahre Walter- Hartmann Stollen, einst als Wilhelm- Burchardt Stollen aufgefahren feiern. Diese 6.000 m lange Lebensader, einer der längsten Stollen im Harz, diente sie dem Abtransport der Erze aus Hüttenrode zur Brech- und Siebanlage in Blankenburg. Benannt wurde sie nach dem Finanzier bzw. Aufsichtsrat der Harzer Werke AG. 20200326_100 Jahre WH- Stollen
Im Mai dann folgte der wohl schwerste Schlag, den der Bergverein zu verkraften hatte. Der Landkreis erließ eine Allgemeinverfügung- Lex Bergverein intern genannt, durch die der Bergverein aus Braunesumpf ausgeschlossen wurde. Wir reichten Klage ein, denn alle Versuche sich gütig mit den zuständigen Behörden scheiterte. Fünf Jahre sollte dieses Verfahren dauern. Fünf Jahre, die uns in unserer Forschungsarbeit zurückwarfen und manches Mal zweifeln ließen. Allein der feste Wille der Bergleute- Sturköpfigkeit und ein nicht enden wollender Optimismus drängten uns immer wieder vorwärts. Schlussendlich fanden wir dann doch zusammen mit den agierenden Stellen eine Lösung. Ein kollektives Aufatmen an allen Fronten. Dem Berggeist sei Dank!
Allen Ungemach zu trotz, machten wir weiter. Dann eben über Tage. Die Kaue wurde hergerichtet:
Zunächst besuchten uns die Freunde des Heimatvereins Oesig e.V. als Bergarbeitersiedlung die maßgeblich für die Arbeitskräfte von Braunesumpf entstand, ist es natürlich nahe liegend, dass wir eng zusammen arbeiten und uns gegenseitig unterstützen. 20200907_Besuch Oesigverein Wetterschacht
Und dann ging es Schlag auf Schlag weiter. Die dunklen Zeiten von Corona und der Allgemeinverfügung nutzend, entstand ein neues Buch: „Grube Braunesumpf- Vergessener Schatz im Harz“. Es ergänzt, in Form und Ausstattung gleich Bücher zu den Schwestergruben Büchenberg und Grube Einheit von Wolfgang Schilling und seinem Autorenkollektiv. Somit schließt sich auch hier ein Kreis die drei Harzer Eisenerzgruben- HEG- können einträchtig nebeneinanderstehend, das Bücherregal zieren. Inhaltlich bietet das Braunesumpfbuch eine Fülle aus mehr als 1000 Jahren Bergbaugeschichte. Reichbebildert und inhaltlich umfassend, ist es wahrlich ein Schatz. Die Hüttenröder Edition Nr. 9- Schächte und Stollen im Hüttenröder Bergrevier endlich erhältlich! Der „vergessene Schatz im Harz“- jetzt auch bei Herrn Prof. Willingmann
Das Jahr wurde alt. Mit dem Spuk am Schacht und der Mettenschicht gab es einen würdigen Abschluss.

Die fertig gestellte Kaue

Dank an die Autoren

Unsere Gäste: Der Bergmannsverein „Scholle von Calvörde“ aus Zielitz

Wolfgang Schilling hält eine Laudatio

Der Schatz wurde gehoben


