50 Jahre Betriebseinstellung der Grube Braunesumpf

Als die Vergangenheit in die Gegenwart geholt und die Zukunft greifbar wurde

Am 30. März 2019 jährte sich das 50. Jubiläum der Produktionseinstellung der Grube Braunesumpf. Eigentlich kein Feiertag aber ein für die Region bedeutsames und einschneidendes Ereignis, das gewürdigt werden muss. Gerade im Hinblick auf die jüngeren Ereignisse rund um den Wetterschacht und die vom Bergverein geleisteten Arbeiten, wurde dieses Ereignis begangen. Nicht nur für den Verein bedeutsam auch für ehemalige Kumpel, deren Kinder und Enkel war dieser Tag ein Anlass das Areal des Montaneums zu besuchen. Um der Bedeutsamkeit dieses Ereignisses eine höheren Stellenwert zu verleihen, wurde viele Kumpel aber auch politische Entscheidungsträger eingeladen, die der Einladung auch gerne Folge leisteten.

Landrat Skiebe gab sich die Ehre

Aufstellung eines Förderwagens der HEG Harzer Eisenerzgruben

Neben den umfangreichen Vorbereitungsarbeiten, zu denen auch die Herrichtung des Fördermaschinenhauses für die erwarteten Festgäste gehörte, wurde auch ein Förderwagen, gut sichtbar an der Bundesstraße 27 aufgestellt, der den Besuchern und den Einwohnern Hüttenrodes an die Tradition erinnern und neugierig stimmen soll.

Transport des Huntes zum Bestimmungsort
Einrichtung des Huntes

Präsentation des Montaneums

Zum Montaneum https://www.montaneum.de/presseartikel-2017/ gehören die Bergbaugroßgeräte des ehemaligen Bergwerkes Drei Kronen und Ehrt, die besichtigt werden können. Einige der Geräte- die Lader- wurden an diesem Festtag zu späterer Stunde auch in Betrieb genommen und so mancher Bergmann, der Jahrelang keinen Lader mehr bediente, war so gleich wieder in seinem Element.

Präsentation der Lafettenbohrwagen auf dem terassierten Westhang des Montaneums
Blick vom obersten Plateau des Westhangs zum Fördermaschinenhaus
Fertigstellung des Füllortes- der bergmännischen Theke
Kontrolle der Bestuhlung, Funktionsprobe Ton und Bild

Festrede des Landesvorsitzenden der Berg- und Hüttenleute Sachsen- Anhalt

Erich Hartung begrüße alle Bergbauenthusiasten und – interessierte mit einer Festansprache, die im Folgenden weider gegeben werden soll:

 Liebe Festgemeinschaft, liebes Bergvolk.

Mein persönliches Glück Auf gilt heute allen, die sich hier zur Würdigung eines ungewöhnlichen Jahrestages zusammengefunden haben. Der Gastgeber hat uns an historischer Stelle zusammengerufen. Der Ruf wurde gehört, wie die große Zahl von Bergleuten und Bergbeflissenen beweist. Hier am Wetterschacht, inmitten der technischen Schauanlage des Bergvereins zu Hüttenrode, wollen wir der großen Bergbautradition eines stolzen Bergreviers gedenken.

Die Rituale der Bergleute sind überall ähnlich. Im Siegerland, im Erzgebirge, im Harz: Der Berghauptmann hält den Grubenbericht, das Bergvolk feiert, das Publikum staunt. Ganz besonders gilt das für die Aufmärsche der Bergleute, die sich immer mehr zu Publikumsmagneten entwickeln. Bedauerlicherweise ist der immer noch stolze Berufsstand der Bergleute mittlerweile zum Exoten geworden, wohl auch weil wir vergessen haben, woher die Rohstoffe für unser Wohlstandsleben kommen und wer die Fachkenntnisse hat, diese Rohstoffe ans Tageslicht zu bringen. Doch langsam scheint ein Umdenken einzusetzen; das Internet scheint doch nicht die Rohstoffe für die Wirtschaft liefern zu können. „Alles kommt vom Bergbau her…“ ist eine uralte Binsenweisheit, an deren Richtigkeit auch heute nicht zu zweifeln ist. Wer in der Früh sich die Zähne putzt sollte bedenken, das Fluor in der Zahncreme wird bergmännisch gewonnen. Wer das Frühstücksbrot schneidet, hält ein Messer aus Stahl in der Hand. Das Eisen dafür liefert der Bergmann. Selbst der Porzellanteller wäre ohne den Bergbau nicht vorhanden. Autos, Straßen, selbst unser Computer-überall wohin man schaut, stehen am Anfang die Rohstoffe. Diese aufzuspüren und zu heben-dafür steht dieser uralte und doch so moderne Berufsstand. Die Tradition kündet aber auch davon, wie der Bergmannsstand heute noch das Wesen der Harzer prägt. Sparsamkeit, Bescheidenheit- aus der Not geboren- waren ständige Begleiter der Menschen hier und nur historisch kurz war die Zeit, in der hier in den Eisenerzgruben gut verdient wurde. Gekommen ist die Stunde der Bilanz und des Gedenkens an die Kumpel, die das Jahr nicht überlebten. Davon wird der nachfolgende Beitrag künden.

Der Bergverein zu Hüttenrode bläst nun seit 2004 kräftig in die beinah erloschene Glut der Tradition eines bedeutenden Eisenerzreviers. Der tiefe Sonnenberger Stollen, der Revierhausschacht, das Hüttenröder Zechenhaus und nun das Ensemble des Wetterschachtes sind über viele Jahre hinweg bedeutende Baustellen des Vereins gewesen bzw. sind es immer noch. Gestandene Bergmänner stehen neben ganz jungen Bergeleven. Gemeinsam wurden diese Projekte gestemmt und so mancher lernte die Bedeutung des Begriffes: „mein Kumpel“ im bergmännischen Sinne kennen und schätzen.

Das Bewußtsein für das Besondere, für die Welt untertage, prägt den Bergmann und wer im Bergverein mitarbeitet, begreift schnell den Sinn des geflügelten Wortes, das Unwissenden als Hochmut vorkommen muss: „Ich bin Bergmann, wer ist mehr?“

Eine vielhunderjährige Tradition und die Freude über die überstandene Gefahr, der Zusammenhalt die gegenseitige Hilfe, wie wir es in Deutschland zuletzt 2013 in der Kaligrube Unterbreizbach erlebten, aber auch die Geselligkeit an den kurzen Abenden nach der Schicht im Winter, an denen Lichter im Fenster die Nacht erhellten, sind noch heute fest in unseren Bräuchen und Sitten verwurzelt. In vielen Familien gilt noch immer der Brauch für jedes Mädchen der Familie ein Lichter-Engel und für jeden Jungen einen Bergmann in das Fenster zu stellen. Jeder von Ihnen kennt den uralten Choral der Bergleute „Glück Auf, der Steiger kommt…“Auch so lebt Tradition und wer einmal ein Fußballspiel in der Arena auf Schalke live erlebte, der kennt das Gefühl der Gänsehaut, wenn 60.000 tausend im Stadion dieses Lied anstimmen.

 Es ist lange her, dass Lieder noch Allgemeingut des Volkes waren und vierzig Jahre DDR mit ihrem gespaltenen Verhältnis zu dieser Art Traditionsbewahrung trug nicht gerade eben förderlich zur Pflege dieser Jahrhunderte alten Tradition bei.

Glück Auf grüßten die Hauer, wenn sie einfuhren. Das Glück suchen sie seit 1000 Jahren unter der Erde. Jede Fahrt in die Tiefe ist eine Fahrt in das Ungewisse; jede könnte die letzte sein. Immer dabei die Angst und die Hoffnung auf den große Reichtum. Jeder Schlag mit Schlägel und Eisen bares Geld oder Schweiß im tauben Gestein. Die Arbeit unter Tage hat die Menschen verändert, ihre Gesichter, ihre Seelen und ihre Legenden. Keine Regionen in Deutschland ist so vom Bergbau geprägt, wie Mitteldeutschland. Silber, Kupfer, Eisen, Kohle, Flußspat, Schwefelkies, Uran, Kiese, Schotter, Hartgesteine, Kali und Salz holten die Kumpel aus dem Berg, einige Rohstoffe werden auch noch heute von untertage gefördert: Steinsalz aus Bernburg, Kali aus Zielitz und Unterbreizbach. Die Eisenerzförderung in Hüttenrode dagegen endete 1969. Die letzten Kupferschächte in der Sangerhäuser Mulde machten 10 Tage nach der Währungsreform 1990 Schluss, ebenfalls erlebte die Schwefelkiesgrube Einheit in jenem Jahr ihre letzte Schicht. Was bleibt?

Es bleiben die Besucherbergwerke, von denen Sachsen- Anhalt nur derer 3, Niedersachen 18, Thüringen 5 und Sachsen 28, besitzt.

Es bleiben 20 im Landesverband der Berg- und Hüttenleute zusammengeschlossene Bergmannsvereine in Sachsen- Anhalt. Es bleiben die Traditionen der Bergleute, wie die Feier unserer 50 Jahre zurückliegenden letzten Schicht. Kaum ein anderer Industriezweig hätte ein vergleichbares Jubeläum begangen, wie wir es heute tun wollen. In Hüttenrode pflegen die Kameraden des Bergvereins die alten Bräuche. Besonders die Mettenschicht und der bergmännische Schichtwechsel sind im Jahresreigen stets feste Ereignisse, auf die sich alle freuen. Geblieben sind die alten Stollenmundlöcher und sei in Form der beliebten Schwibbbogen, hineingestellt in die festlich geschmückten Fenster der Adventszeit.

Der Harz hat immer noch Erz und unter Hüttenrode schlägt noch immer ein eisernes Herz in der Tiefe. Die Mitglieder des Bergvereins zu Hüttenrode stehen bedingungslos zur 1000-jährigen Bergbautradition der Region. Vielleicht macht die technische Entwicklung den Abbau eines Tages wieder rentabel bei gleichzeitiger Bewahrung der Natur. Bis dahin pflegen sie weiterhin ihre Traditionen und betrachten sich immer noch weiter als Bergleute.

 Und grüßen noch immer mit Glück Auf!

Grußworte des Landrates und des Bürgermeisters Blankenburgs

Michael Skiebe würdigte in seiner Ansprache die Rolle des Bergbaus in der Region und stellte besonders die durch den Bergverein geleistete Vereins- und Aufbauarbeit in den Fokus seiner Begrüßung.

Heiko Breithaupt stellte in seinen Grußworten die historische Entwicklung Blankenburgs in den Kontext zur Bergbauentwicklung. Speziell die jüngere Entwicklung Blankenburgs ist untrennbar mit dem Bergbau der Grube Braunesumpf verbunden. Genannt sei hier stichpunktartig die Bergarbeitersiedlung Oesig. Auch die geleistete Arbeit des Vereins für das Kulturleben Blankenburgs wurde thematisiert.

Grußworte des Landrates

Festvortrag des Berghauptmanns

Andreas Pawel nahm die Gäste durch einen Streifzug durch die Geschichte des Hüttenröder Eisenerzreviers mit. Dabei bezog er sich nicht nur auf den Bergbau sondern auch auf die dazugehörigen Gewerke und die soziokulturellen Belange.

Einweihung Gedenktafeln

Im Anschluss strömte das Bergvolk aus der Schachthalle um der Enthüllung zweier Gedenktafeln beizuwohnen. Die Gedenktafeln geben einen kurzen Überblick über die Entwicklung und Geologie des hiesigen Eisenerzreviers- immerhin über 1000 Jahre. Standesgemäß wurden die Tafeln auf einem Hunt etabliert und per Grubenbahn dem staunenden Publikum präsentiert

Die Sponsoren der Tafeln
Erklärungen zur Entstehung von Gerhard Rösicke (vor der Lok und nicht im Bild)

Reviererkundung für Wanderfreudige

Eine fachkundig von Martin Pawel geführte Wanderung durch das Revier bildete einen weiteren Höhepunkt des Tages. Auf diese Weise konnten jung und alt, die jüngsten Wanderer waren 2 Jahre, die ältesten 87 Jahre, das gehörte noch einmal erleben und an Originalplätzen ein Gefühl und Eindruck über den Bergbau bekommen. Zwar liegt dieser nun schon 50 Jahre zurück und miunter braucht es ein geübtes Auge die Spuren des Bergbaus zu erkennen, wer jedoch mit offenen Augen durch die Fluren Hüttenrodes wandert wird sie nicht übersehen. Er wird die gewaltigen Bergepingen des Holzbergs sehen, die Hochhalden des Lodenbleek, das Stollenmundloch des Mühlenwegstollen, das ehemalige Betriebsgelände. Nicht zuletzt das Montaneum, diverse Erklärungstafeln und das Hüttenröder Zechenhaus https://www.montaneum.de/standorte/ zeigen dem geneigten Wanderer von der bewegten Vergangenheit des Ortes und der lebendigen Tradition dieses Bergarbeitesdorfes!

Einige Teilnehmer der Wanderung während eines Zwischenstopps
Eine Vorführung der Künste des Hundesportvereins Thale


Erinnerungsplakette

Anlässlich dieses Tages wurde eine Gedenkplakette kreiert, die an die Beteiligten und Gäste des Tages ausgereicht wurden. Sie zeigt das ehemalige Schachtgerüst und einen Ehrenkranz mit den historischen Daten des Tages.

Erinnerungsplakette anlässlich dieses Festtages



Am Ende des Tages

Viele Gäste aus Nah und Fern folgten der Einladung und der vielleicht bedeutendste Aspekt der Veranstaltung war, dass ein Großteil der noch übertägigen Belegschaft der Grube Braunesumpf an diesem Tag auf historischem Boden versammelt waren. Eine Art Klassentreffen der besonderen Art und sicherlich eines der letzten dieser Art. Umso wichtiger war dieser Festakt für die Tradition und die künftige Weiterführung des bergmännischen Gedankens in Hüttenrode. Denn die Erkenntnisse und das Wissen der Bergleute wurde konserviert. Dies stellt eine wertvolle Quelle der Forschungstätigkeit des Bergvereins dar.

Gäste aus dem Erzgebirge

Ein für das Bergrevier und den Bergverein wichtiger Tag ging mit großem Erfolg zu Ende. Alle Gäste waren des Lobes voll. Das Wichtigste jedoch ist, dass wieder ein Beitrag geleistet wurde, dass der Bergbau im Hüttenröder Revier lebendig ist und sich weiter entwickelt.

Ein herzliches Glück Auf! an alle Bergbaufreunde des Hüttenröder Bergreviers

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